Surround yourself with people who inspire you

„Surround yourself with people who inspire you“, ist ein Rat, den mir letztens eine Freundin während einem betrunkenen Gespräch gab, nachdem sie mir offenbarte, sie sei ein wahnsinnig unsicherer Mensch, der sich sein Selbstvertrauen aus Menschen zieht, die sie inspirieren. Was Inspiration für sie bedeutet, war mir bewusst. Was es für mich selber bedeutet, eher weniger.

Erneut fand ich mich gestern wieder in einer Situation, in der ich eine Bemerkung machte, die in entferntester Weise etwas mit Sexismus zu tun hatte und mir danach drei Stunden lang dumme Sprüche und Sticheleien anhören durfte.
Als ich irgendwann mal darauf reagierte, wurde mir gesagt, dass ich das alles mal wieder viel zu ernst nehme (Und das von einer Person, die mir Minuten davor an den Kopf geworfen hatte, vor drei Monaten seine Frage wie denn meine Weihnachtsferien waren, nicht beantwortet zu haben. Aber ich nehm alles zu ernst, schon klar).

Als weisser Mann in Westeuropa lebt’s sich ganz komfortabel, nicht? Damit will ich nicht sagen, dass ich Teil einer Minderheit bin, das wäre reine Heuchelei. Aber sich seiner Privilegien bewusst zu werden, ist ein Schritt, den viele zu feige sind sich zu trauen. Ich sage feige, weil es nicht viel Denkleistung benötigt, sich diesen Privilegien bewusst zu werden. Aber man will sich ja nicht mit Fakten beschäftigen, über die man auch noch nachdenken (und sich dabei sogar den vielen tiefgreifenden Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft bewusst werden) müsste. Nein, das wäre in der Tat zu viel verlangt.

Ich bin eine Idealistin und ich würde gerne für meinen Idealismus einstehen. Aber gegen die platte und dümmliche Rhetorik, die vor allem darauf beruht, meine Aussagen zu überspitzen und damit alle meine Meinungen ins Lächerliche zu ziehen, komme ich kaum an. Ich bin ein leichtes Opfer und das offenbart nur noch mehr die Feigheit und Lächerlichkeit dieser „antifeministischen“ Diskurse – vor allem, da sie dadurch direkt die Gesellschaft widerspiegeln, die der feministische Diskurs eigentlich kritisiert. Nämlich indem Meinungen des vermeintlich „schwächeren“ Geschlechts vom „stärkeren“ abgewertet und lächerlich gemacht werden – und das mit noch lächerlicheren Argumenten. Schliesslich kann dieses sich ja nicht wehren, oder?

Inspirierend zu sein, bedeutet, einem anderen Menschen zu erlauben, man selbst zu sein. Inspirierende Personen lassen einen die Idealistin sein, die man ist. Versuchen Ansichten nicht ins Lächerliche zu ziehen, wenn sie damit nichts anfangen können, darüber noch nie nachgedacht haben oder nicht nachdenken wollen. Diskutieren wenn dann mit einem darüber, wenn sie nicht derselben Meinung sind. Machen einen nicht zu einer Witzfigur. Beschuldigen einen nicht für ihre eigenen Unsicherheiten. Kommentieren nicht Kleidung, Haare oder Aussehen in irgendeiner Form. Reden über einen nicht in der dritten Person, wenn man selbst anwesend ist. …

Und der Fakt, dass mir in letzter Zeit bewusst geworden ist, wie viele dieser Menschen ich schon in meinem Leben habe und, dass ich noch den einen oder anderen kennengelernt habe, lässt es mir immer schwerer fallen, mit uninspirierenden Menschen klarzukommen. Doch damit würde ich nichts erreichen, als mich auf dieselbe Art in einer Blase von allem abzuschotten, das nicht meinen Denkmustern entspricht, wie es diese Leute selber tun.

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