hässlich und sexuell-frustriert

Heute ist der Women’s March in Zürich und fünf Frauen aus der JUSO haben sich dafür ausgezogen. Alle stehen sie oben ohne um eine Tonne und verbrennen ihre BHs. Ich frage mich, warum sich der Mainstream-Feminismus immer an so banalen Dingen, wie BHs oder unrasierten Achseln aufhängt. Analog zu Laurie Pennys Aussage, dass die „Zerstörung des Patriarchats wohl kaum von rasierten oder unrasierten Achseln abhängen wird“, glaube ich auch nicht, dass sie von BHs abhängen wird – oder von Pussyhats. Mainstream-Feminismus hängt sich immer an so performativem Scheiss auf um den es eigentlich nicht gehen sollte. Mein Gott, macht doch einfach was ihr wollt. Tragt BH oder tragt keinen, wen interessiert das schon. Man kann sich noch so performativ als „Feministin“ inszenieren und trotzdem nicht für seine Ideale einstehen, wobei es doch gerade darauf ankommen würde. Feminismus ist keine Identität. Feminismus ist nichts, wo man an einem Samstag mal eben für ein paar Stunden auf die Strasse geht, paar Instagram-Föteli macht, um den Rest des Jahres wieder die Klappe zu halten und sich zu freuen, mal bisschen für seine Ideale eingestanden zu sein.
Ich sehe den Effekt der Women’s Marches genau deshalb auch nicht – und dafür kann man mich auch kritisieren. Ich bin in dieser Meinung auch nicht komplett gefestigt, sie ist viel eher noch ein Prozess. Ich glaube kaum, dass sie einen erkennbaren Effekt hervorbringen können. Und zwar genau aus dem Grund, dass viele ihre Arbeit mit der reinen Teilnahme am Marsch als getan sehen. Solche Proteste tragen mehr zum Stadtfrieden bei, als tatsächlich zu einer gesellschaftlichen Veränderung. Vor allem, wenn wir uns nur zeitlich gebündelt trauen, unsere Ideale auszuleben und für sie einzustehen.
Aber wir können uns ja auch nicht aus dem Kontext entfernen, den wir kritisieren. Beispiele wie Stefanie Sargnagel oder die überirdisch sexistischen Reaktionen auf den Post von Andreas Glarner zu den Juso-Frauen zeigen, warum sich viele nicht trauen, für ihre Meinung einzustehen. Ich sage ja auch nicht, dass ich nie schweige. Ich schweige oft. „Als gutes Mädchen schweigt man“.

Man soll mich nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen den Women’s March per se. Er ist symbolisch, er macht auf Thematiken aufmerksam, deren sich (traurig aber wahr) viele nicht bewusst sind. Ich habe nur ein Problem mit dem Hype drum herum, weil er damit das Ziel verfehlt.

Zur Juso Sache könnte man jetzt argumentieren, dass Frauen auch Statements verbreiten und Aufmerksamkeit generieren können sollten, ohne sich dafür ausziehen zu müssen. Oder eben dass sie, ob nackt oder nicht, genauso ernstgenommen werden müssten. Was genau ich davon jetzt mehr vertreten kann, bin ich mir nicht ganz sicher.
Und über die Andreas-Glarner-Fanboy-Rhetorik von wegen die hässliche abstossende Feministe-Schlampe cha mer nöd ernst neh würde ich ja lachen, wenn sie nicht auf den Punkt bringen würden, warum diese Gesellschaft Feminismus braucht. Denn während man als hässliche und sexuell-frustrierte Feministen-Schlampe scheinbar nicht das Recht hat ernst genommen zu werden, ist es nicht schwer als hässlicher und sexuell-frustrierter Mann ein wichtiges und ernstzunehmendes Amt inne zu haben. Just saying…

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