unten läuft grad gabalier

Ich war heute Abend in der Wohnheimsbar und habe einem Mann dabei zugesehen, wie er Teile von Ahnma von den Beginnern mitrappt. Aber nur Teile. Den ganzen Text konnte er nicht. Dabei ging er von der Tanzfläche in Richtung Bar und wippte während dem Gehen mit den Beinen auf und ab und fuchtelte in Rapper-Manier mit seinen Händen.
Der Typ ist ein absoluter Spiesser.
Ich habe mich schon oft mit ihm unterhalten (das war allerdings vor einiger Zeit) und das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist, dass er halb Franzose ist. Entweder er hatte tatsächlich nichts anderes zu erzählen, ich konnte mir einfach nichts anderes merken, oder diese Einzeit war womit er jeden Satz, jeden Fakt und jede Aussage in Verbindung zu bringen versuchte. Ich tippe auf Letzeres.
Diese Szene fand ich einfach so lächerlich.

Ich war in der Bar und habe unangenehmen Smalltak geführt und das in mehrfacher Ausführung. Und wenn „asozial“ bedeutet, dass man ungerne unangenehmen Smalltalk führt, dann gebe ich mein asoziales Dasein gerne zu. Denn jede Frage, die mit „Und“ anfängt, kann man gleich mal in die Tonne stecken.
„Und, wie geht’s dir so?“ „Und, wer bist du so?“ „Und, was machst du so?“
NEIN
einfach NEIN

Auch in der Bar habe ich einer Mitbewohnerin dabei zugesehen, wie sie auf ekelhafteste Weise von einem Typen angemacht wurde – um danach zu erfahren, dass der sie scheinbar vor Monaten auf einer Flurparty in sein Zimmer gelockt hatte und dann das Schloss für unbestimmte Zeit zugesperrt hatte und sie nicht gehen liess. Ich weiss nicht genau, was mich wütender machte: Dass sie sich trotzdem, als wäre nichts, mit ihm unterhalten hat, oder, dass ich nicht wirklich die Berechtigung hatte richtig sauer auf den Kerl zu sein und ihm einen von diesen tollen „smash the patriarchy“-Stickern, die heute mit der Post ankamen, mit voller Wucht ins Gesicht zu klatschen.

Nun sitze ich in meinem Zimmer, das nicht mehr so aussieht, wie mein Zimmer. An der Wand hängt nur noch ein Poster von Bob Dylan.
Und draussen stehen zwei Mädels, die ganz offensichtlich nicht auf diesem Flur wohnen. Nach drei Jahren Wohnheim kann ich das mittlerweile einschätzen. Und ich würde gerne rausgehen und ihnen sagen, dass sie sich doch bitte verpissen sollen. Aber ich bin ein zu grosses Weichei – Und meine Stimme würde sich wahrscheinlich doppelt und dreifach überschlagen. Denn ich war vorhin in der Bar.

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