Meitli-Meitli

3. und 4. Klasse – War das eine schöne Zeit? Ich kann mich kaum erinnern. Nur an ein paar Einzelheiten, wie zum Beispiel diese eine Schulstunde, in der wir besprochen haben, dass es genau vier Arten von Menschen gibt: Buebe-Buebe, Meitli-Buebe, Buebe-Meitli und Meitli-Meitli. Anders gesagt: Jungs, die sich wie Jungs verhalten, Mädchen, die sich wie Mädchen verhalten und der ganze Rest, der das eben nicht tut. Diese Meitli-Buebe und Buebe-Meitli fallen dabei aus der Normalität, oder eher dem, was in dem Fall als Normalität definiert wurde. Aber das isch imfall ok, wir müssen das akzeptieren, auch wenns nicht normal ist.
Ich weiss auch noch, dass ich dabei von meinem Lehrer “ganz klar” als Meitli-Meitli bezeichnet wurde und dass mich das damals sehr gestört hat. Ich meine, wenn man nach den Kriterien geht, die in dem Fall ein typisches Mädchen ausgemacht haben, mag das wahrscheinlich nicht falsch gewesen sein. Ich trug gerne Kleider, ich hab mit Barbies gespielt, ich hab nicht Fussball gespielt und bin nicht auf Bäume geklettert – et voilà, das perfekte Mädchen. Aber als solches wollte ich trotzdem nicht bezeichnet werden. Auch heute nicht. Denn wer Wortkombinationen wie “perfektes Mädchen” hat ziemlich sicher auch steretype Vorstellungen von Geschlechterrollen mit denen ich mich weder identifizieren kann noch in sie als Projektionsfläche miteinbezogen werden möchte.
Solche Dinge hat das 10-jährige Ich noch nicht gedacht. Das wäre ja zu schön um wahr zu sein. Damals hat mich viel mehr gestört, dass jemand das Bedürfnis hat mich in eine Kategorie einzuteilen. Ich hatte nicht darum gebeten.

Was diese Schulstunde uns beigebracht hat, war nicht Toleranz. Sondern, dass es genau zwei Geschlechter gibt,
davon insgesamt vier Ausdrucksweisen,
von denen aber nur zwei als normal gelten.
Und, dass wir einfach alle mal damit klarzukommen haben, dass wir unser ganzes Leben lang und egal was wir tun in Kategorien eingeteilt werden – ob uns das passt oder nicht.

Das ist mehr als fragwürdig. Aber dann fällt mir ein, dass uns auch die Bibel gelehrt wurde, als wäre sie ein Geschichtsbuch. Und dann wundert mich eigentlich nichts mehr. Auch nicht wie offen uns kommuniziert wurde, dass gewisse Karrieren dem Mann vorbehalten sind.Und die offensichtlich sexistischen Kleiderordnungsregeln, die an meiner ehemaligen Oberstufe vor ein paar Jahren eingeführt wurden, die möchte ich jetzt gar nicht ansprechen.

 

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