Oha, Berlin

Es ist nicht so, dass es nichts zu Schreiben gegeben hätte, in den letzten Monaten. Oder dass ich keine Zeit gehabt hätte. Letzteres würde lediglich auf September zutreffen. Ich hatte schlichtweg keine Lust auch nur irgendein Wort zu schreiben und jegliche freie Minute zum Schlafen, Essen und zur Ablenkung davon genutzt, dass ich auch noch so was wie ein Privatleben hatte. Dieses Privatleben wollte ich nicht haben.

Ich bin in Berlin. Ich hätte es geschafft, wurde mir am Freitag von einer ehemaligen Mitbewohnerin gesagt. Was eine Erfüllung eines schon länger gehegten Planes sein sollte, wurde irgendwie zur Flucht aus Zürich. In der Stadt hab ich mittlerweile zu oft in der Öffentlichkeit geweint. Die Stadt ist nicht so gross, ich könnte ja Leute, die mich dabei beobachtet haben, wiedertreffen. Und das ist mir nun wirklich zu peinlich. Einzig logische Schlussfolgerung: Studium im Ausland! Nun bleibt mir nur noch zu hoffen, dass ich jenen berliner Journalisten nicht wiedertreffe, der bei jenem Pressescreening neben mir sass, währenddem ich einen heftigen Heulkrampf bekam. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass der Film auf einer sehr subtilen Ebene wahnsinnig emotional war, ok? Man sagt der Generation Y ja nach, wir seien die Generation, die wieder bereit ist, Schwäche zu zeigen. Darin schwingt dieser bewunderne Unterton mit, den wir nicht verdient haben, weil wir nicht endlich wieder zu etwas bereit sind, sondern das alles nur ein riesiger Ausdruck eines First World Problems ist. Ich würde oft gerne behaupten, nicht Repräsentantin der vielen Stereotype dieser Generation zu sein. Bin ich aber. Ich habe heute einen Wecker auf einem Flohmarkt gekauft. Zuhause durfte ich feststellen, dass dieser so laut tickt, dass ich ihn unmöglich werde benutzen können. Aber vorallem: Ich war bei einem Flohmarkt. Ach ja, Berlin, du hast mich schon völlig vereinnahmt. Hochwasserhosen und bunte Socken, I feel it.
Man könne hier so rumlaufen wie man wolle und niemand störe sich daran – Das sagen sie gerne über sich selbst. Ich sehe das anders, diese gut gekleideten Leute verunsichern mich eher. Wie so vieles auf dieser Welt.

Ich bin also in Berlin und ich habe ein Zimmer und bin immatrikuliert. Die Probleme haben sich vorläufig alle geklärt und ich habe wieder Zeit so etwas wie einen Charakter oder was auch immer davon übrig geblieben ist, auszuleben. Was mach ich jetzt mit all der Zeit?

Advertisements
Standard

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s