Ab August gabs nichts mehr.

Einerseits denke ich wir nehmen Jahre viel zu ernst, sehen sie als kohärente Einheiten, betiteln sie als schlechtes oder gutes Jahr. Bestes oder beschissenstes. Und dann kommt Neujahr und wir feiern und wir fragen uns was demnächst passiert. Aber die Zeit geht einfach so weiter.
Ja, das denke ich einerseits. Ein anderer Teil in mir fragt sich aber, wie dieses Jahr so geil starten konnte – und dann kam nur noch steter Zerfall mit Tiefpunkt im September. Und dann wurde mir gesagt ich hätte doch alles erreicht.
Anfangs von 2017 funktionierte endlich mal alles mit meiner Bachelorarbeit, es lief gut, es machte Spass. Ich hatte monatelangen Input hinter mir. Zu Dingen, über die ich mir so tiefgehenden noch kaum Gedanken gemacht hatte. Ich war motiviert und Mann, fand ich das geil diese Bachelorarbeit zu schreiben. Dass ich nun einen Master in demselben Fach mache, ist wohl einzig und allein dieser Arbeit zu verdanken.
Dann kamen neue Bekanntschaften, gelegentliche Arbeit, die zwei letzten Monate in München, Frühling, Besuch in München, Zugfahrten nach Mailand und Locarno, Nachmittage bei den Pinakotheken, viel Bücher, viel Inspiration.

Dann kam ein Praktikum, auf das ich mich seit meinem zweiten Unisemester bewerben wollte. Und ich habe es tatsächlich gekriegt.  Und mein Name stand da auf der Website. Dass ich mich darüber so gefreut habe, fand ich etwa so cool, wie ich es auch ein wenig lächerlich fand. Schon am ersten Tag hab ich dort gemerkt, mich wohl nun in einem nicht sonderlich inspirierenden Umfeld zu bewegen, was gewisse Diskussionsthemen anging. Aber hey, das war ok. Ich fühlte mich gefordert, ich habe etwas gelernt. Und der intellektuelle Austausch war andernorts auch gegeben. Und es war Sommer. Es gab Bootsfahrten die Limmat runter, Spaziergänge mit Hund, Nächte auf dem Dach, Nachmittage vor dem Bildschirm und entstehenden Texten, Musik auf voller Lautstärke.

Ab August gabs nichts mehr.

Ich hätte alles erreicht, wurde mir dann einen Monat später gesagt. Als ich die Gitarre seit Monaten nicht mehr angefasst hatte, seit Wochen kein Wort geschrieben hatte. Nachdem ich seit Wochen nicht mal eine Textzeile gelesen hatte, mich bei der Arbeit mehr und mehr unfair und wie ein Idiot behandelt fühlte und nachdem mein Freund mit mir Schluss gemacht hatte und ich die Gründe bis jetzt – nichtexistentes Selbstvertrauen sei Dank – darauf beziehe nicht (gut) genug gewesen zu sein. Und nachdem mein Arbeitstag in den zwei darauffolgenden Tagen daraus bestand mehr als 20 fremden Menschen ins Gesicht zu lächeln und höchstens beim Drucker, auf der Toilette zu weinen. Oder in der Tram, jeden Tag auf dem Heimweg. Oder zuhause. Dort sowieso. Nachdem ich mich so uninspiriert gefühlt habe wie noch nie und auch vom einen auf den anderen Tag aus einem sozialen Umfeld entfernt wurde, in dem ich mich so wohl gefühlt habe. Nach zwei Monaten, die sich angefühlt hatten wie eine Ewigkeit und nach denen ich mich fühlte, als sei mir mein kompletter Charakter abhanden gekommen. Aber hey, alles erreicht.

Der einzige positive Zugewinn aus diesen paar Monaten ist nun wohl, dass sich die Zahl gespeicherter Rapsongs in meinem Spotifyaccount reichlich vergrössert hat, was irgendwie Teil meiner Verdrängungstaktik war. Wobei ich das Wort allerdings eher unpassend finde. Es war wohl eher ein Abwägen von emotionalen Kapazitäten. 

Ich hab den Eindruck das ganze mit einem positiven Fazit abschliessen zu müssen. Aber dieser Text hat mich nur wütend gemacht. Es sei mir verziehen, dass ich das nun nicht mache. Isch ja bald Neujahr, nödwahr. 😉

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