Berlin Halbjahresgedanken

Während meine Schreibblockade bezüglich meiner Hausarbeit gerade wahnsinnig real ist (sie hat zurzeit den Dateinamen “sdfozhewf.docx”), habe ich bezüglich allem anderen alles andere als eine Schreibblockade. Vielleicht ist das mit der Hausarbeit aber auch einfach nur Motivationslosigkeit. Oder Ideenlosigkeit, nachdem sich mein provisorisches Inhaltsverzeichnis als komplett nutzlos herausgestellt hat. Oder aber es liegt an der Deadline im Mai. MAI!

Mein Ziel ist es ja, in diesem Kiez so richtig bekannt zu werden. Sodass ich irgendwann alle Leute in den Cafés hier kenne (das Yoga-Café an der Ecke not included, das regt mich zu sehr auf) und sie sich freuen, wenn ich mal wieder vorbeikommen, mir Kaffee ausgeben, “Hallo, Vanessa, wie geht’s dir heute” fragen. Aber ich glaub dazu fehlen mir die Kinder. Diese ganzen Menschen, die hier im Kiez so vernetzt sind, haben Kinder und werden auch immer nur nach ihren Kindern gefragt (wahrscheinlich auch, weil man sie Tags zuvor wieder auf offener Straße hat streiten sehen). Schlussfolgerung: Ich bin die perfekte Prenzlauer Berg Mutti, fehlen nur noch die Kinder. Beim Falafel-Typen komme ich dem Ganzen aber schon näher, der fragt mich mittlerweile auch schon wie’s mir geht. Aber irgendwie fragt er das auch jeden (jaja, da geht das Gefühl dahin, dass man sich einmal bisschen speziell gefühlt hat).

So langsam kommt der Frühling und es nieselt nicht mehr jeden, sondern nur noch jeden zweiten Tag. Seit der Frühling da ist, hat meine Straße gefühlt doppelt so viele Bewohner*innen, drei Eisläden haben aus dem Nichts aufgemacht und ungefähr alle Cafés/Restaurants/Spätis/Whatevers haben sich auf dem Gehweg Tische montieren lassen. Und zwar nicht so billige Holzbänke. Nein, richtige Tische, einbetoniert. Der Mauerpark ist jetzt nicht mehr nur Dreh- und Angelpunkt vermummter, drogenverkaufender Menschen. Nun ist er auch Dreh- und Angelpunkt von Menschen, die leistungsstarke Musikboxen besitzen (pro zehn Meter mind. zwei) und 17-jährigen auf Mädchensuche – die einem auch mal durch den halben Park hinterherrennen, nur dass man ihnen dann offenbaren kann, dass man 24 ist und sie dann wieder davonhuschen. Tschüss, mein Sohn!
Ausserdem ist der Mauerpark jetzt nicht mehr nur sonntags ein Hipster-Hippie-Happening sondern ungefähr jeden Tag (wenns gerade nicht nieselt). Allgemein gibt’s plötzlich so viel mehr Hipster in dieser Stadt. Wo kommen die alle her? Oder liegt das daran, dass der Frühling so klamottenmässig einfach high time für Hipster ist? Wir werden es wohl nie herausfinden. Zudem findet alle paar Meter im Mauerpark ein Open-Air-Tanzkurs statt. Und die haben das auch immer voll drauf. Scheiss Angeber.

War gestern auf Hosensuche zwischen Weinmeisterstrasse und Rosenthaler Platz. Ist von meiner Wohnung halt echt nicht weit weg, aber weit genug, um eine völlig andere Welt zu sein. Ganz ungesunde Mischung zwischen Tourist*innen und Berlin-Mitte-Hipstern in der advanced Version. Richtig schön unangenehm.
Unterwegs in dieser Hipstertown sah ich Mutter und Sohn unterwegs mit ihrem Sohn, die auf einen Laden zeigte “Da haben wir damals deine ersten Vans gekauft”. Und ich stellte mir vor, wie die ersten Vans so ein mega prägendes Ereignis im Leben eines Berlin Mitte Kinds sind. So wie es damals bei uns die ersten Converse waren. Meine waren gelb – wise decisions have been made.

Was mich am Prenzlauer Berg wohl am meisten stört, sind die ganzen Kinder. Das klingt jetzt wie ein Klischee. Aber mich stören sie nicht nur, weil sie laut sind und nerven. Sondern weil ich deshalb auch bei den ganzen Ampeln (von denen es objektiv gesehen zu viele gibt) nie bei Rot gehen kann. Man kann sagen was man will über den Vater, der mich und eine Freundin in München mal zur Sau gemacht hat, weil wir vor seinem Kind bei Rot über die Straße gegangen sind. Aber einen pädagogischen Effekt hatte es.

Hab vor Kurzem etwas getan, was ich vor sechs Monaten so gar nicht erwartet hätte. Nämlich Sportklamotten gekauft. In den Leggings schaut mein Hintern sogar ziemlich gut aus (DARUM GEHTS DOCH BEIM SPORT, ODER, SO HAT MIR DAS DIESE KULTUR BEIGEBRACHT!!1!). Das Geburtstagsgeld meiner Großeltern werde ich wohl für Boxhandschuhe ausgeben. Ich mach sie stolz, da bin ich mir sicher.

Am Sonntag wirds 20 Grad. Dann machen wir unser Transparent für die Mieter-Demo am 14.04. Vielleicht machen wir das im Mauerpark. Nach zwanzig Minuten werden wir dann ne Schar 17-jähriger um uns rum stehen haben, die ein Revoluzzzzzer-Girl suchen. Und jeder zweite hat ne Musikbox dabei auf der Yung Hurn oder sonst irgendein Schrott läuft.

Ursprünglich wollte ich diesen Eintrag “Berlin Halbjahresstatistik” nennen. Dann ist mir eingefallen, wie sehr ich Statistiken nicht mag. Wer Statistiken auch mag, ist die Universitätsverwaltung. Und wenn man mal in ihr arbeitet, verliert man auch mal schnell dieses hochgehaltene Bild einer “Exzellenz“-Institution. Schlussendlich besteht der Universitätsbetrieb daraus, Ansprechpersonen zu bestimmen. Die wissen zwar auch nicht immer mehr, aber immerhin hat man jemanden, den man beschuldigen kann.

Habe Call Me By Your Name gesehen. Den Film sollte man schauen, wenn man emotional ausgeglichen ist. Das bin ich nicht. Er ist sehr schön, aber auch nicht, und lustig, aber auch nicht. Habe viel aus dem Film mitgenommen und zuhause gleich meine 80iger-Gedächtnis-Mom-Jeans aus dem Untergrund des Schranks rausgeholt.

Advertisements
Standard

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s