Neues von der süßen Bibliothekarin

Dieser Text wird Ihnen präsentiert von: Prenzlauer Berg – Sie wollen als Single unglücklich in Ihrem selbstgewählten Singletum werden? Dann ist das der Ort für Sie!

OkCupid ist eine Dating-Seite straight from hell. Wenn dieser Text eine Liebesgeschichte erzählt, dann die zwischen mir und OkCupid – und es ist eine unglückliche.

Auf der Skala von Yung Hurn bis Pucini würde sich OkCupid wohl eher bei Pucini ansiedeln. Also die Hochkultur der Dating-Welt. Und am anderen Ende würde wohl Grindr stehen. Mein Ethnolog*innen-Herz sträubt sich zwar gegen diese Unterscheidung zwischen besserer und schlechterer Kultur. Aber man will ja auch in emischen Begriffen sprechen. Und die starke Unterscheidung zwischen Hoch- und niederer Kultur müsste jedem*r überzeuten OkCupid-Nutzer*in ein wichtiges Anliegen sein. Oder zumindest denen, die ich da so gesehen habe.
Die Seite habe ich drei traurige Tage lang genutzt. Aus Recherche-Gründen. Man will ja up-to-date bleiben, nödwahr. Man will ja die jungen Leute verstehen können. Und dass ich alt geworden bin, weiss ich spätestens seit ich lieber Tequila Gold statt Silber trinke. Die richtig jungen, die trinken noch Tequila Suicide, insofern bin ich eigentlich schon bei den Rentner_innen angelangt.
Wenn ich der Ethnologie für etwas für immer dankbar sein werde, dann, dass ich sie für immer und ewig als Erklärung meiner guilty pleasures anführen kann. Aber zurück zum Thema: Die Seite funktioniert im Prinzip wie jede andere, nur dass man Prozentzahlen der Kompatibilität (aufgrund von mehr oder weniger beantworteten Fragen) angezeigt bekommt. Und Zahlen hab ich schon immer als ultimatives Kriterium bei der Partnerwahl betrachtet. Aufgrund dieser Fragen kann man gleich mal den ersten unangenehmen Smalltalk überspringen. Das liegt ja prinzipiell in meinem Interesse. Nichts anstrengenderes als tatsächlich mal mit einer fremden Person interagieren und dann stellt die Person nach zwanzig Minuten die Frage, ob man mit dem Studium Taxifahrerin wird.
Warum werden mir da so viele Akademiker angezeigt, frage ich mich in den ersten fünf Minuten schon, nachdem ich noch kaum Fragen beantwortet und somit kaum ein “Auswahlverfahren” stattgefunden haben könnte. “Weil das von Linken entwickelt wurde”, erklärt mir eine Freundin. Wo der direkte Zusammenhang von Linken und Akademiker*innen liegt, erklärt sich mir dadurch nicht und auch nicht, warum jemand “Linkes” durch die Beantwortung von bis zu 300 Fragen (!) einer Website so viel persönliche (und wirtschaftlich verwertbare) Informationen bereitstellen würde. Aber hey, das ist ein anderes Thema.
Diese Fragen sind eher ein extended Smalltalk und, naja, teilweise interssant. Ausgehend davon sollte ja dann theoretisch der Deep-Talk kommen. Dem ist aber nicht so. Ich lasse mal die Screenshots für sich sprechen.

Bildschirmfoto 2018-04-09 um 21.43.02.png Nei.

Bildschirmfoto 2018-04-09 um 18.41.47.pngNei.

Bildschirmfoto 2018-04-08 um 20.09.44.pngNope.

Bildschirmfoto 2018-04-08 um 14.23.34.pngIch glaub nöd.Bildschirmfoto 2018-04-08 um 13.35.53.pngAlte…

Und mit dieser letzten poetisch hochstehenden Nachricht kommen wir auch zum traurigen Teil. Das schien ein Muster zu sein. Die Männer, die nach einer Süßen suchen. Und da spreche ich nicht nur aus OkCupid-Erfahrung, sondern allgemein. Eine, “die nicht so ist, wie alle anderen”. Die sich auch für “Dinge interessiert”. Männer, die sich sapiosexuell nennen und aufgrund von Oberflächlichkeiten alles sofort verurteilen, das nicht gleich “Doktortitel” schreit. Diese Frauen mit großem Ausschnitt – ein Idiot müsste man sein, anzunehmen, dass die auch noch was im Kopf haben könnten.

Sapiosexualität, um das zu erklären, ist die Hingezogenheit zum Intellekt einer andern Person. Dass man nur auf intelligente Menschen steht. Ich find es nur schon ziemlich abgefuckt, so eine Interessenspräferenz als sexuelle Orientierung zu beschreiben, auf derselben Stufe von homo, hetero, bi etc. Und einerseits kann ich es ja noch nachvollziehen, dass man sich mit seinem*r Partner*in auch unterhalten kann. Aber das hat meines Erachtens nach wenig mit Intelligenz zu tun. Und zum anderen scheinen viele eine interessante Definiton von Intelligenz zu haben. Ein Grossteil würde wohl nie jemanden ohne Hochschulabschluss daten. Und das ist nicht nur Arroganz sondergleichen, sondern diskriminierend.

Sie können sich noch so feministisch darstellen, wie sie wollen. Schlussendlich objektivieren sie zwar nicht explizit oberflächlich, dafür objektivieren sie Intelligenz. Es fällt mir wirklich schwer zu glauben, dass es diesen selbsterklärten Sapiosexuellen darum geht, was die andere Person zu sagen hat, sondern vielmehr, dass sie glauben, dass die Person den Wert der eigenen Intelligenz nachvollziehen kann. Sie sehen ein Bild von jemanden und denken sich: Diese Person sieht so aus, als könne sie mich und meine Intelligenz zu schätzen wissen. Und sie versteht, was es bedeutet zu promovieren. Gramsci gelesen und verstanden zu haben. Quantenphysik. Was auch immer. Ich will damit nicht sagen, dass man einen Hochschulabschluss braucht um das zu verstehen. Sapiosexualität ist nicht meine Logik.
Und vielen scheint ja schon meine Brille und Angabe von fünf Sprachen gereicht zu haben, um anzunehmen, dass ich in irgendwas promoviere. Oder Bibliothekarin bin. Aber eine süße Bibliothekarin natürlich.

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